KARFREITAG

Christus hat so sehr den letzten Platz eingenommen, dass ihm niemand diesen Platz je entreißen kann. Aber wende dich unablässig in liebender Stille dieser Selbstentleerung zu. Geh diesen Weg und richte deine Augen auf Jesus, der statt der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen hat.

Lebensbuch von Jerusalem § 103

Heute sind wir auf Golgotha | Joh 18,1 – 19,42

LITURGIE


Offizium der Tenebrae | Karmette

HIER gibt es die Texte zum Mitbeten

Patristische Lesung | Aus einer Schrift des hl. Athanasius, Kirchenvater im 4. Jh.

KARFREITAG


Feier vom Leiden und Sterben Jesu Christi (ganz)

HIER gibt es die Texte zum Mitbeten und Nachlesen

AUSSCHNITTE weiter unten: WORTGOTTESDIENST | PASSION | KREUZVEREHRUNG | KOMMUNION | GRABLEGUNG

Zur Zeit der Todesstunde Jesu um 15 Uhr versammelt sich die Kirche zur Feier vom Leiden und Sterben Christi. In diesem Jahr wird es wohl noch stiller um 15.00 Uhr und in vielen Wohnungen und Häusern "stirbt der HERR" für uns.

Der Gottesdienst beginnt in aller Stille, der Kirchenraum karg und leer. Auf dem Boden ausgestreckt, verharrt der Priester schweigend in erschauender Ehrfurcht vor dem unfassbaren Geheimnis des Todes Jesu. Diese Liebe wird verkannt, verlacht, verhöhnt, verspottet.

Die Karfreitagsliturgie ist dicht und durch die Schwere des Todes geprägt, aber die goldenen Fäden der echten Wirklichkeit schlagen schon überall durch. (wie Alfred Delp sagt) Es ist die Gewaltigkeit des Todes und die verborgene liebende Sanftmut mit der Jesus den Tod erleidet.

Die Feier gliedert sich in drei Teile: den Wortgottesdienst, mit den Lesungen, der Passion und den Großen Fürbitten, der zweite Teil besteht aus der Verehrung des Kreuzes aller Gläubigen und der dritte in der Kommunionfeier als Verbindung mit Jesus im Sakrament seiner Liebe.

Im Wortgottesdienst begegnet uns die Gestalt des leidenden Gottesknechts aus dem Buch Jesaja. „Er hatte keine schöne und edle Gestalt…Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen… durch seine Wunden sind wir geheilt. …

Ja, so sehr hat Jesus für uns gelitten, um dem Leiden und dem Tod den Stachel zu nehmen. Und alles sinnlose Leiden noch mit Seiner Liebe und Nähe zu erfüllen. Jesus ist dieses Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird und seinen Mund nicht auftut. Gott, der Unendliche und Allmächtige kämpft nicht gegen das Böse. Jesu Allmacht, Gottes Allmacht besteht gerade darin, dass er nicht aufhört zu lieben. Das ist göttlich.

Wenn wir dann die Passion nach Johannes hören, können wir sie mit hellen Augen und wachen Herzen hören. Wir können sie hören mit Blick auf das vordere und hintere Kreuz im Handeln der verschiedenen Personen.

Als Beispiel: Petrus

Jesus, der auf Gewalt nicht mit Gegengewalt reagiert weist Petrus zurecht, „Steck das Schwert in die Scheide!“ Petrus handelt so typisch menschlich. In Jesu Reaktion können wir eine Lektion seiner Schule der Kreuzesliebe sehen. Petrus, der der Versuchung erlegen ist, groß angepriesen hatte, und „wenn alle an dir Anstoß nehmen – ich niemals!“ (Mt 26,33) Einst weit aufgerissene, offene Arme, die sich nun wie hier auf der Ikone am Kohlenfeuer sitzend in sich verkrochen, am eigenen Leibe festklammern.


Ein spärliches Kohlenfeuer, das zu verdampfen scheint… Ja, eine Hoffnung auf den erwarteten Messias scheint gerade in Petrus´ Herz zu verpuffen… Und wir können uns fragen: Wie weit reicht in uns die Liebe an Jesus festzuhalten, der uns doch einst noch mit spürbarer Liebe und Hoffnung erfüllte. Wie weit reicht in uns die Liebe und der Glaube, wenn uns die die Fragen des Lebens bedrängen und uns der Sinn langsam zwischen den Fingern zerrinnt, wenn Prüfungen und Krisen uns im Innersten erschüttern… wie heiß ist dann die Flamme unseres Kohlenfeuers… glauben wir nicht, dass es uns anders ergehen wird als Petrus…

Es ist eine so menschliche wunderbare Persönlichkeit, dessen Lebensgeschichte,

wie keine andere zeigt, wie dieses erlösende Kreuz durch einen Menschen hindurch gehen kann und wie später die Begegnung mit dem Auferstandenen, die dreimalige Verleugnung am Kohlenfeuer versöhnt wird im dreimaligen Blick und Anruf Jesu: Liebst du mich.

Eine kleine Einladung: lesen sie mal die Johannespassion am Stück, das dauert keine 20 min. - oder hören Sie sie sich später an und achten sie nur auf die Hände der je einzelnen Personen und ihrer Handlungen… sind sie offen, empfangend, brutal agierend, verschlossen, gefesselt… Es wird ziemlich lebendig und führt ein, in den Blick der Kreuzesliebe vom vorderen und hinteren Kreuz.

Auf die Großen Fürbitten folgt die Kreuzesverehrung. Bei der Kreuzverehrung sind wir eingeladen, in einem persönlichen Moment und einer Geste – dieses gewaltige Geheimnis Jesu Tod am Kreuz zu verehren. Der Tod übersteigt uns immer. Der gewaltsame Tod Jesu aus so unfassbarer Liebe ist göttlich und sprengt unsere Fassungskraft.

Der Schrei der Gottverlassenheit und der Worte „Es ist vollbracht!“, den Jesus am Kreuz endgültig mit den Kreuzesbalken… dem Kreuz das von den Menschen kommt eins werden lässt, klingt noch in den Ohren.

Diesen Schrei… hören. Diesen Schrei im eigenen Herzen aufsteigen lassen… Diesen Schrei so vieler stummgewordener oder zum Schweigen verurteilter Menschen mitschreien… Kinderschreie aus den Wohnungen und Häusern, in denen nun in Corona-Zeiten besonders die Aggressionen aufkochen den Schrei, des Alkoholabhängigen.

Den Schrei meiner Schwester, meines Bruders, des Ehemannes, der Ehefrau… der Familie… der Ungewissheit unserer wirtschaftlichen Weltlage.

Kreuzverehrung: Anbetung der zärtlichen Liebe Jesu die im Tod ist, Anbetung Gottes, der nichts als Liebe ist und dessen Wille es ist, uns an sich zu ziehen.

Am Ende der Kreuzverehrung singen wir die Improperien, ein traditioneller Gesang seit dem frühen Mittelalter. Es sind die Heilandsklagen.

Die Klageworte aus dem Alten Testament werden Jesus in den Mund gelegt. Verbunden mit dem Trishagion, dem dreimal Heilig, das wir Gott zurufen, besingen die Improperien jeweils eine Heilstat Gottes an seinem Volk aus dem AT verbunden mit einer Missetat des Volkes aus der Passion Christi. Jesu Klage erklingt noch immer über unsere Menschheit, über unsere Welt, Jesu Schmerz über die menschliche Verschlossenheit, der Schmerz der abgelehnten Liebe steckt in diesen Worten.

Jesus ist ans Kreuz genagelt, im Todesschrei am Kreuz wird er eins mit dem Kreuz der Menschen. „Der Schrei Jesu am Kreuz ist ein Geburtsschrei. Es wird eine neue Welt geboren. Die Trennwand der Sünde ist niedergerissen und hat Versöhnung bewirkt. Es ist ein Schrei aus Leiden und Liebe zugleich. Wir müssen diesen Liebesschrei nur aufnehmen, zulassen, dass er uns bis ins Innerste erschüttert, dass er uns umwandelt. Jesus wusste genau, dass es zur Macht des Bösen und aller Verschlossenheit nur einen Schlüssel gibt, der die verschlossenen Herzen öffnet, nicht Vorwürfe, das Gericht oder Drohungen, nicht Angst oder Schande. Es ist allein die Liebe. Aber … um welchen Preis…!

Das ist das ehrfürchtige Staunen, das bleibt, nach diesem gewaltigen Erdbeben seines Sterbens.

Jesus wird ins Grab gelegt, es ist der letzte Dienst, derer die ihn liebten.

Es ist Totenstille und uns bleibt an diesem Grab zu beten, zu harren, aus diesem lärmenden Getöse, still zu werden und zu schauen, was in mir zurück bleibt.

Diese Totenstille trägt uns in den Karsamstag.

AUSSCHNITTE DER KARFEITAGSLITURGIE


GROSSE FÜRBITTEN

MEDITATION ZUM KARFREITAG

Das Kreuz mit dem Kreuz ist ein Kreuz

Das Kreuz mit dem Kreuz ist eine Kreuz.pdf