KARMITTWOCH

"Durch dein Beten und deine Liebe mach dich innerlich weit für Gott, der wirklich gegenwärtig ist, und er wird dein helles Licht sein. ... Was nützt es dir, nach außen hin weit offen zu sein, wenn du dich in deinem Innersten dem anderen verschließt?"

Lebensbuch von Jerusalem § 40

Heute sind wir "bei Dir" | Mt 26, 14-25

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit 14ging einer der Zwölf namens Judas Iskariot zu den Hohenpriestern15und sagte:

Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm dreißig Silberstücke.

16Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.

17Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?

18Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern.

19Die Jünger taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.

20Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch.

21Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern.

22Da waren sie sehr betroffen, und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr?

23Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten.

24Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.

25Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.

Hinführung zur Betrachtung des Evangeliums

Freundschaft in Betanien am Montag, Verrat und Untreue, die Nacht des eigenen Herzens, und der Leidensweg Jesu, der für uns Gewicht hat am Dienstag.

Heute begegnet uns im Evangelium quasi eine innere Fortsetzung der beiden Auszüge der Evangelien des Johannes am Dienstag und Mittwoch.

Judas hat sich in der Nacht entschieden - ja, hat er sich wirklich frei entschieden? Die Nacht, die Krise ist immer ein Ort der Unterscheidung. Aber war es die Geldgier? War es eine Kurzschlussreaktion aus Verzweiflung oder Enttäuschung? Unfreies Agieren ohne zu reagieren? ... Es lohnt sich ein wenig bei Judas zu bleiben.

Und dann ein Szenenwechsel: die Jünger gehen ihren geplanten Dingen nach und das Paschafest steht vor der Tür... die Vorbereitungen müssen getroffen werden. Nichtsahnend - auch nach mehreren Ankündigungen Jesu - dass dieses Pascha das Pascha des Neuen Bundes werden wird.

Dieser wunderbare Satz, der morgen Abend auch die Feier vom Letzten Abendmahl einleiten wird, geht die innere Dynamik der Botschaft des Evangeliums von Betanien weiter: "Der Meister lässt Dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern." (Mt 26,18)

Es ist Zeit - Jesu Zeit, Wandlungszeit, Heilszeit wird konkret, und ja unsere Zeit wird auf den Kopf gestellt. Wir sind eingeladen in diese Zeit mit allem, was gerade in unserem Herzen, in unserem Leben, unseren Familien, unseren Städten und der ganzen Welt so sehr nach Heil und Leben, nach Wandlung und nach Hoffnung schreit, in diese Zeit und Stunde Jesu hineinzutragen.

Denn wir sind gemeint: "geh in die Stadt zu dem und dem... und sag... bei Dir will ich mit meinen Jüngern Pascha feiern." Dieses Pascha - dieser Hinübergang von Leiden-Sterben - Auferstehen, von Tod ins Leben, von diesem Erdenschweren JETZT in die himmelweite EWIGKEIT - bei MIR, für MICH.

Will ich das? Braucht es dazu noch eine Vorbereitung? Brauchen wir noch einen inneren Hausputz? Vielleicht braucht es nur die Sehnsucht und die Annahme - Ja, das Haus meines Herzens steht Dir offen, komm und feiere dieses DEIN Pascha bei mir, bei uns, in unserer Familie,... denn gemeinsam können wir es in diesem Jahr ja nicht feiern. Aber wie groß wird dieses Leben, wenn wir IHN in diesem Jahr umso mehr in UNSER Haus, in UNSER Alleinsein hineinlassen.

LITURGIE DES KARMITTWOCHS


Laudes | Mittwoch der Karwoche

Geistliche Lesung der Laudes | Aus einer Ansprache von Papst Benedikt XVI.


Mittagsgebet | Mittwoch der Karwoche

Zeitgenössische Lesung im Mittagsgebet Mi. | Klaus Hemmerle - Das Kreuz leben: wie geht das?

Das Hosanna, das den Einzug Jesu in Jerusalem begleitet hatte, klingt vielleicht noch in unseren Herzen nach, als wäre es erst gestern gewesen. Morgen werden es die Psalmen sein, das Große Hallel, das ihn am Ende seines Pascha-Mahls in die Nacht des Ölbergs führen wird (vgl. Mt 26,30).

Heute aber, in dieser seltsamen Zwischenzeit, in der sich alles wie der Herzschlag zu beschleunigen scheint, heute, da seine Stunde noch nicht gekommen ist, aber wo er doch seinem Leiden frei entgegengeht, heute wird uns noch ein anderer Gesang geschenkt. Es ist bereits der dritte.

Das Lied vom leidenden Gottesknecht.

Dieses Lied zeigt uns ein Gesicht. Ein ruhiges und ernstes, ein sanftes und geheimnisvolles Gesicht, das uns den göttlichen Glanz auf dem Antlitz Christi erahnen (2Kor 4,6) und seine Sanftmut erkennen (Weish 2, 19) lässt.

Ein Gesicht, das nichts als liebende Gegenwart ist – als Gottesgegenwart, Gegenwart auf Gott hin: ja, der Einzige, der auf den Vater hin ist, hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen (Joh 1, 1…14)!

… Doch er hatte keine schöne und edle Gestalt, so dass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm … ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut (Jes 53, 2-3). Einer von uns, Weggefährte in all unserer Hinfälligkeit, der selbst die letzten Abgründe unseres Herzens durchlaufen wollte. Ein verwundetes, armes Gesicht; eines, vor dem man sein Gesicht verhüllt (Jes 53,3) und sich abwendet.

Er aber hat sein Gesicht nicht verborgen. Er wich nicht zurück. Er hat unsere Sünden vor sich hingestellt, unsere geheime Schuld in das Licht seines Angesichts (Ps 90,8), wie der Psalmist bekennt.

Nicht, um uns zurechtzuweisen.

Auch nicht, um uns anzuklagen.

Sondern um unsere äußersten Tiefen von innen her zu kennen, mehr noch, um sie an sich selber aus-zuhalten und sie an seinem eigenen Leib zu heilen. Um die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort, denn, so sagt die Heilige Schrift, in seiner Liebe und seinem Mitleid hat er sie emporgehoben und getragen. Nicht ein Bote oder ein Engel, sondern sein Angesicht hat sie gerettet (Jes 63,9).

Wem Er sein Angesicht zuwendet, braucht sich nicht mehr zu fürchten. Er ist der Freund des Menschen, er ist der Diener der ersten Stunde und des allerletzten Platzes, von dem uns unser Herz leise sagt: „Sucht sein Angesicht!“ – Dein Angesicht, Herr, will ich suchen (Ps 27,8).

In allen unseren Ängsten ist Er der Deus semper maior – der Gott, der immer der Größere ist.

Doch glauben und bekennen wir auch seit seiner Passion, dass Er der Deus semper minor – Gott, der immer Kleinere ist: Gott, der immer mehr als Geringer in unser Geringsein eingeht.

An ihm, Christus, erkennen wir, wohin das Herz Gottes drängt.

Zu den Armen vor Gott, die wir alle bleiben.

Und die er nicht aufhört, seligzupreisen.


Vesper | Mittwoch der Karwoche

Patristische Lesung der Vesper | Aus einer Predigt des hl. Johannes Chrysostomos im 4. Jh.