Kommentar zum Römerbrief 13,16...22

MITTAGSGEBET | HEILIGER JOSEF | 19.03.20

Lesung aus dem Brief an die Römer 13,16...22

Schwestern und Brüder!

13Abraham und seine Nachkommen erhielten nicht aufgrund des Gesetzes die Verheißung, Erben der Welt zu sein, sondern aufgrund der Glaubensgerechtigkeit.

16Deshalb gilt: „aus Glauben“, damit auch gilt: „aus Gnade“. Nur so bleibt die Verheißung für die ganze Nachkommenschaft gültig, nicht nur für die, welche aus dem Gesetz,

sondern auch für die, welche aus dem Glauben Abrahams leben. 17Er ist unser aller Vater, wie geschrieben steht: Ich habe dich zum Vater vieler Völker bestimmt –

im Angesicht des Gottes, dem er geglaubt hat, des Gottes, der die Toten lebendig macht

und das, was nicht ist, ins Dasein ruft. 18Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt,

dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort:

So zahlreich werden deine Nachkommen sein. 22Darum wurde es ihm auch als Gerechtigkeit angerechnet.

Kommentar zur Lesung

Hat Maria es sich zugetraut, Josef zu sagen: Wir erwarten ein Kind?

Das schlimmste, was eine Verlobte ihrem Verlobtem sagen könnte: ein Kind kommt, aber es ist nicht Deins. Josef könnte es sich noch leisten, sich sein Leben ohne Maria vorzustellen, ein normales Leben zu führen, mit einer Frau wie ein fruchtbarer Weinstock und vielen leiblichen Kindern rings um seinen Tisch, wie der Psalm es sagt.

Vielleicht wusste Josef schon, dass er in seinem Leben mit Maria auf einiges verzichten müsste, wie einige Stimmen der Tradition es behaupten. Aber es ist noch etwas anderes, gar keine Kinder zu haben, als ein Kind groß zu ziehen, das nicht sein eigenes Fleisch und Blut ist. Der brutale Bruch in der Genealogie im heutigen Evangelium bringt es zu Ausdruck. 42 Generationen sind gezählt vom Vater auf den Sohn, bis zu Josef, für den geschrieben steht: Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren. Josef, wie jeder Mann, hat Sehnsüchte, berechtigte Wünsche, Frucht zu tragen und einen Nachkommen zu haben. Ein Pflegevater zu werden im Schatten von Maria und Jesus gehörte bestimmt nicht dazu.

Die beiden Lesungen zum heutigen Hochfest des heiligen Josef berichten uns über Abraham, was nicht ohne Bedeutung ist, denn beide Männer wussten, dass sie nicht Vater werden. Abraham wegen seines hohen Alters und Josef wegen des Beschlusses Marias.

Beide Männer haben das Scheitern erfahren, die Unsicherheit des: so sollte es sein, aber es ist trotzdem nicht so. Die Erfahrung von schlaflosen Nächten und Versuchen, etwas aus den Trümmern meiner Träume zu retten. Beide Männer mussten etwas bejahen, was nicht dem natürlichen Ablauf der Dinge entspricht von Liebe, und dann Ehe, und dann Kinder, und mussten auf Gott radikal vertrauen.

Das Scheitern, die Unsicherheit, es sollte so sein und es ist doch nicht so. Wie gehen wir damit um?

Wie gehen wir damit um, wenn wir Projekte, Pläne, Träume und Wünsche haben und sie uns durch die Lappen gehen, wenn unsere exzellente Ausbildung uns nicht die gewünschte Arbeitsstelle gebracht hat, wenn wir krank werden, wenn es einen Unfall gibt, wenn ein kleiner Virus die ganze Welt in die Knie zwingt?

Es gibt viele Gesetze im Leben. Die Umwelt hat eins, ein Land hat eins, mehrere Religionen haben eins und wir selbst haben eins, ob es uns bewusst ist oder nicht. Ein sehr starker Ausdruck dieses Gesetzes ist: Du verdienst, was auf dich zukommt: positiv oder negativ.

Mit unserem Gott ist es nicht so, denn Abraham erhielt nicht seine Nachkommen, das heißt, die Erfüllung seines Lebens, seine Ehre, seine Rentenversicherung aufgrund des Gesetzes, sondern auf die Verheißung Gottes hin, an die er geglaubt hat mit seinem ganzen Herzen.

Gegen alle menschliche Hoffnung, alles Voraussehen, jedes ganz normale Kalkül hat er gehofft, dass Gott treu bleiben wird. Der heilige Josef hat auch diese Verheißung Gottes, die einen ratlos machen kann, bejaht. Wahrer Vater ist er geworden, auch wenn nicht der Natur nach. Josef hat Jesus geliebt und hat sich hingegeben für ihn. Wir kosten alle die Frucht, die das Leben Josefs getragen hat. Und Jesus hat uns die Tür zu einer Hoffnung geöffnet, die nie wieder geschlossen wird, einer Hoffnung, die nicht zugrunde gehen lässt. Eine Hoffnung, die vielleicht nicht immer unseren natürlichen Wünschen entspricht, aber die fest, treu und zuverlässig bleibt in allen Stürmen und Krisen des Lebens.