ZEITGENÖSSISCHE LESUNG

IM MITTAGSGEBET

Aus der Ansprache von Papst Franziskus zum Segen „Urbi et Orbi“ in der vergangenen Woche

MITTAGSGEBET |

Dienstag, 31.03.20

„Am Abend dieses Tages sagte Jesus zu den Jüngern: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren“ (Mk 4, 35).

„Am Abend dieses Tages.“ Seit Wochen scheint es, als sei es Abend geworden. Tiefe Finsternis hat sich auf unsere Plätze, Straßen und Städte gelegt; sie hat sich unseres Lebens bemächtigt und alles mit einer ohrenbetäubenden Stille und einer trostlosen Leere erfüllt, die alles im Vorbeigehen lähmt: Es liegt in der Luft, man bemerkt es an den Gesten, die Blicke sagen es. Wir sind verängstigt und fühlen uns verloren. Wie die Jünger des Evangeliums wurden wir von einem unerwarteten heftigen Sturm überrascht.

Uns wurde klar, dass wir alle im selben Boot sitzen, alle schwach und orientierungs-los sind, aber zugleich wichtig und notwendig, denn alle sind wir dazu aufgerufen, gemeinsam zu rudern, alle müssen wir uns gegenseitig beistehen. Auf diesem Boot ... befinden wir uns alle. Wie die Jünger, die wie aus einem Munde angsterfüllt rufen: »Wir gehen zugrunde«, so haben auch wir erkannt, dass wir nicht jeder für sich, sondern nur gemeinsam vorankommen.

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